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Kann Streicheln Schmerzen bei Rheuma lindern?

Was wir bei einer Berührung empfinden, beeinflusst unser Denken – unser Schmerzempfinden, unsere Essvorlieben und sogar unsere Urteile über andere Menschen. 10 faszinierende Fakten über Berührung und den Tastsinn.


Hand streichelt andere Hand | Kann Streicheln Schmerzen bei Rheuma lindern?

Berührungen besitzen große Macht. Sie können beruhigen, Wohlbefinden auslösen, Geborgenheit vermitteln. Was den meisten Menschen nicht bewusst ist: Das Gefühl, das wir bei einer Berührung empfinden, beeinflusst sogar unser Denken – unsere Schmerzwahrnehmung, unsere Urteile über andere Menschen genauso wie unsere Vorlieben für bestimmte Lebensmittel.


Unserem Tastsinn kommt dabei die Übermittlungsfunktion zu. Lange wurde der Tastsinn als Stiefkind unter den Sinnen behandelt. Doch das ändert sich gerade – denn es wird immer deutlicher wird, wie prägend der Tastsinn für unser Leben ist. 10 faszinierende Fakten über Berührung:


 

Überblick – 10 faszinierende Fakten über Berührung und den Tastsinn



 

1. Händchenhalten lindert Schmerzen


Die Berührung eines anteilnehmenden Partners kann das Schmerzempfinden reduzieren. Eine Studie hat nachgewiesen: Bei Arztterminen und unangenehmen Untersuchungen stufen Betroffene ihre Schmerzen deutlich geringer ein, wenn der anwesende Partner liebevoll ihre Hand hält. Händchenhalten gegen Rheuma-Schmerzen – eine tolle Option!


 

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2. Langsames Streicheln wirkt schmerzlindernd


Streicheln wirkt beruhigend – und mehr: Bei Babys, die vor der Blutabnahme sanft an der Einstichstelle gestreichelt wurden, reagierte das Gehirn schwächer auf den Stich in die Ferse, hat eine Studie ergeben. Voraussetzung ist, dass die Geschwindigkeit stimmt. Drei Zentimeter pro Sekunde sind ideal, weil dieses Tempo die C-taktilen Nervenzellen anspricht.



 

3. Streicheln erwünscht!


Es ist noch gar nicht lange bekannt, dass Menschen spezielle Rezeptoren besitzen, die auf Streicheln reagieren – erst im Jahr 2002 entdeckten schwedische Neurowissenschaftler die dafür verantwortlichen C-taktilen Nervenzellen. Sie leiten Reize langsamer weiter als andere Sinneszellen der Haut.


Besonders gut reagieren die C-taktilen Nervenzellen auf Berührungen, die mit einer Geschwindigkeit von ein bis zehn Zentimeter pro Sekunde und bei einer Temperatur von 32 Grad Celsius erfolgen. Das entspricht der Temperatur der Hautoberfläche.


Wer diese Erkenntnisse nutzen will, muss wissen: Die "Streichelrezeptoren" befinden sich ausschließlich in behaarter Haut.



 

4. Gesichtsberührungen fürs Gleichgewicht


Wer schon vor Corona einen Mund-Nasen-Schutz tragen musste, wusste schon länger, was während der Pandemie alle Bürger und Bürgerinnen feststellten: Menschen fassen sich spontan ins Gesicht – 400 bis 800 Mal am Tag. Bei Stress steigt die Zahl der Selbstberührungen sogar sprunghaft an.


Eine Reaktion auf ein emotionales Ungleichgewicht, vermutet Psychologe und Haptik-Forscher Martin Grunwald. Eine Gesichtsberührung bringt uns wahrscheinlich wieder ins seelische Gleichgewicht und fördert die Konzentration.



 

5. Warmes macht großzügig


Es gibt Tage, da scheinen alle Menschen kollektiv nerven zu wollen ;-) Ein Heißgetränk könnte dann Abhilfe schaffen! Denn mit einer Tasse warmen Tees oder heißen Kaffees in der Hand beurteilen wir fremde Menschen positiver. Diesen Effekt haben verschiedene Studien belegt.


Die Berührung warmer Gegenstände führt offenbar dazu, dass wir den Charakter anderer Menschen als "wärmer" einschätzen und diese milder beurteilen. Das Berühren von eiskalten Getränken oder Dingen bewirkt das Gegenteil.


 

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6. Hart macht hart


Ein harter Stuhl lässt uns weniger empathisch auf unsere Mitmenschen reagieren. Wir beurteilen sie unfreundlicher und beharren stärker auf unserem Standpunkt.


Gerade bei einem schwierigen Gespräch mit dem Kollegen oder der Chefin empfiehlt es sich daher, auf eine weiche, komfortable Sitzgelegenheit zu achten. Denn sie lässt uns milder urteilen, den anderen eher positiv erscheinen und uns selbst weniger starr an unseren Ansichten festhalten.


 

7. Taucheranzug korrigiert Körperbild


Einen ungewöhnlichen Therapieansatz hat Haptik-Forscher Martin Grunwald entdeckt. Ein Neoprenanzug verhilft Magersüchtigen zu einem realistischeren Körpergefühl.


Bei Magersüchtigen kommunizieren solche Hirnregionen schlechter miteinander, die für das Verarbeiten von Körperbildern zuständig sind. Das führt dazu, dass Magersüchtige sich trotz starkem Untergewicht als zu dick wahrnehmen.


Der enge Neoprenanzug übt einen steten Druck auf Haut und Gelenke aus, welcher dem Gehirn Informationen darüber übermittelt, wo der Körper wirklich endet. Das hilft den Trägern ihren Körper angemessen wahrzunehmen.


 

8. Der Tastsinn entscheidet über Vorlieben


Welche Berührungen Menschen als angenehm empfinden, ist auch kulturell geprägt. Das gilt sogar für das Gefühl im Mund beim Essen.


Deutsche mögen es zum Beispiel, wenn Joghurt cremig ist, Franzosen hingegen bevorzugen eine krümelige Konsistenz.


Kulturelle Unterschiede existieren auch bei anderen Dingen: So empfinden Japaner leicht klebrige Flächen als angenehm, während Europäer diese nicht berühren mögen. Grund: Sie assoziieren klebrig mit dreckig.


 

9. Am Anfang ist der Tastsinn


Bei der Geburt ist der Tastsinn derjenige Sinn, der am besten entwickelt ist. Bereits in der siebten Schwangerschaftswoche reagieren die Lippen eines Embryos auf Berührungsreize – zu einem Zeitpunkt, wo der Embryo erst sechs bis 16 Millimeter groß ist!


Bis zur 14. Schwangerschaftswoche sind dann alle Körperregionen für taktile Reize empfänglich. Das Hören, Sehen, Schmecken und Riechen entwickeln sich erst später.


 

10. Berührung bis zum Lebensende


Im hohen Alter arbeitet der menschliche Tastsinn weniger genau und bereitet oft Probleme im Alltag, etwa beim Öffnen einer Verpackung oder beim Zuknöpfen einer Jacke. Viele Pflegekräfte kennen das aus ihrer Arbeit mit alten Menschen.


Berührungsreize hingegen nehmen sogar hochbetagte Menschen weiterhin gut wahr. Diese Fähigkeit bleibt offenbar lebenslang erhalten – und korrespondiert mit dem menschlichen Wunsch nach wertschätzender Berührung und angenehmem Körperkontakt.



 

Weiterführende Infos

Martin Grunwald: Homo Hapticus, Droemer-Verlag 2017



Martina Janning Rheuma Coach, Hypnose Coach & Medizinjournalistin Martinas Herz schlägt für Gesundheit und Medizin. Als Rheuma Coach und Hypnose Coach ist ihre Vision, dass Menschen mit entzündlichem Rheuma uneingeschränkt tun können, was sie lieben.


Weil mehr möglich ist, als viele denken: mit einen ganzheitlichen Ansatz der Kopf, Körper und Seele gleichermaßen berücksichtigt.


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